Thalassämien werden heute danach klassifiziert, welche der Globinketten vermindert gebildet wird. Daraus ergeben sich die wesentlichen Subtypen der alpha-, beta-, delta/beta-, delta- und gamma/delta/beta-Thalassämien. Nahezu 200 verschiedene Mutationen wurden bis heute bei Patienten mit beta-Thalassämie oder verwandten Erkrankungen beschrieben [Olivieri NF 1999].
Alpha-Thalasämien
Da alpha- Ketten sowohl im fetalen als auch im adulten Hämoglobin vorkommen, führt ein Mangel in der alpha-Ketten-Synthese zu Störungen in jedem Lebensalter: Eine verminderte alpha-Ketten-Synthese führt während der Fetalzeit zur exzessiven Bildung von gamma-Ketten, wodurch gamma-Tetramere entstehen, die als Hämoglobin- Barts bezeichnet werden. Im Erwachsenenalter kommt es demgegenüber zur exzessiven beta-Ketten-Produktion, wodurch beta4- Tetramere gebildet werden (HbH). Drei wesentliche Gruppen der alpha-Thalassämien können definiert werden; sie unterscheiden sich auf molekularer Ebene erheblich:
alpha0- Thalassämie (keine alpha-Ketten- Synthese),
alpha+-Thalassämie (verminderte alpha- Ketten-Synthese) und
Thalassämien mit nicht-deletionalen Mutationen wie Hb- constant spring (Mutation des Stop-Codons) und verwandten anomalen Hämoglobinen.
beta Thalassämie
Je nach Schwere des Krankheitsbildes lässt sich die Beta- Thalassämie vier verschiedenen klinischen Grundtypen zuordnen:
Beta- Thalassämie minima: Klinisch am leichtesten verlaufenden Form des Thalassämiesyndroms. Eine Behandlung und Therapie ist nicht notwendig.
Beta- Thalassämie minor: Klinisch leicht Form des Thalassämiesyndroms. Eine Behandlung und Therapie ist nicht notwendig.
Beta-Thalassämie intermedia: Mittelschwere, nicht regelmässig bluttransfusionsbedürftige Thalassämie.
Beta-Thalassämie major: Schwerste Anämie, mit dauernder Transfusionsabhängigkeit.
Die Thalassämie wurde durch die Evolution begünstigt, nämlich durch die Malaria: Die Deformation der roten Blutzellen verursacht zwar Atemnot, sie bremste aber gleichzeitig auch die Erreger der Malaria aus. Menschen mit Thalassämie sind speziell vor der tödlichen Blutarmut einer Malaria-Infektion geschützt. Dies wurde auch in einer Studie mit über 2500 lebensbedrohlich erkrankten Kindern bestätigt. Durch die kurze Lebensdauer der roten Blutkörperchen, versucht der Körper die Zahl der Zellen durch vervielfachte Neubildung zu erhöhen. Während eines Malaria-Anfalls geht die Zahl der roten Blutzellen um 30 bis 50 Prozent zurück. Doch vielen Kindern mit der leichten Form der Blutkrankheit konnte dieser Verlust nichts anhaben, da sie wegen ihrer Thalassämie zuvor bereits 10 bis 20 Prozent mehr rote Blutkörperchen als Kinder ohne den Gendefekt hatten. Es ist deshalb kein Zufall, dass die Thalassämie vor allem in einstigen Malariagebieten auftritt wie etwa Malta, Sardinien, Griechenland, Zypern, Israel, bis in den Iran.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Thalass%C3%A4mie
beta- und delta/beta- Thalassämien
Die beta- Thalassämien sind durch die persistierende Synthese fetalen Hämoglobins (HbF) nach der Neugeborenenperiode gekennzeichnet. Zu ihnen gehören zwei Hauptvarianten: bei einer Variante werden überhaupt keine beta-Ketten produziert (beta0-Thalassämie); bei der anderen Variante werden die beta- Ketten lediglich vermindert synthetisiert (beta+- Thalassämie). beta+- und beta0-Thalassämien sind auf molekularer Ebene extrem heterogen. Das Gleiche gilt für die delta/beta-Thalassämien. Bei einigen Formen werden normale alpha- Ketten gemeinsam mit Nicht-alpha-Ketten als anomale Hämoglobine gebildet, die aus Teilen der delta- und beta-Kette fusioniert sind und zu sog. Lepore- Hämoglobinen führen.
delta-Thalassämien
Bei delta- Thalassämien werden delta-Ketten vermindert synthetisiert, wodurch bei Heterozygoten auch HbA2 vermindert ist und bei Homozygoten vollständig fehlt. Ihnen kommt keine klinische Bedeutung zu.
gamma/delta/beta- Thalassämie
Die gamma/delta/beta-Thalassämie manifestiert sich durch eine Anämie bei Neugeborenen und durch das klinische Bild der heterozygoten beta-Thalassämie bei normaler Produktion von HbA2 im Erwachsenenalter.